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joja 2014 prater vienna

Aktuell bin ich dabei mein Internetnutzungsverhalten neu zu definieren, ich will mehr Zeit außerhalb von social media Kanälen verbringen (warum erfährst du in folgendem Artikel) und mehr nach Inhalten suchen, die ich selbst kuratiere und daher besser meine eigentlichen Interessen verfolgen. Auf dieser Suche im world wide web fand ich auch Markus Cerenak, der gerade zu einem Blog-Bang zum Thema „Warum ich tue, was ich tue und wie wichtig die Frage auch für dich ist“ aufruft.

 

et voila:

 

Mein Warum

 

Ich tue, all das was ich tue, mit dem Ziel vor Augen, in eine Richtung vorzustoßen, die mir sinnhafter scheint, als die Gegenwart. Wir leben in friedlichen Zeiten (hier in Österreich), es geht uns so gut wie nie. Das ist aber kein Grund, sich mit den Gegebenheiten abzufinden. „Empört Euch!“

 

Es ist, denke ich, schon nötig etwas tiefer einzutauchen, hinter die Kulissen zu schauen. Ist der Konsumwahn nicht einfach eine Neuauflage von „panem et circenses“? Ist es wirklich förderlich sich alles - sofort - aneignen zu können - möglich durch Ratenzahlung, Kredite, großzügige Überziehungsrahmen? Ist die Freude am drei Meter großen Flatscreen und dem super smart Smart Phone tatsächlich die Last auf unseren Schultern wert, wenn die nächste Kreditkartenabrechnung ins Haus flattert? „Geiz ist geil“ - sind Sünden nun Bestandteil der Alltagskultur? Wie kommt es das 90% der Waren im Supermarkt nicht besonders unterstützend für unsere Gesundheit und damit unser Wohlbefinden sind? Warum ist Alkoholkonsum so akzeptiert und andere Substanzen werden verteufelt, während die Alkoholsucht die höchste Mortalitätsrate aufweist? Wie kann es sein, dass wir alle dabei zusehen, wie die Mittelschicht verschwindet und 1% quasi den Turmbau zu Babel verwirklicht und sich mit den Zinsen ihres Vermögens täglich (gar stündlich?) einen Bugatti kaufen kann? Wenn ich mir die Welt so anschaue, tauchen diese und viele andere Fragen auf: Ermöglichung super billiger Kleidung durch die Ausbeutung Anderer, gesundheitsschädliche Chemikalien inklusive, Genmanipulation soweit das Auge reicht, ständig online in Verbindung mit hunderten „Freunden“ und liken von x-tausenden Unnötigkeiten, aber in echt nicht wissen, wie es einem Freund wirklich geht, der Freundin nicht in Worten den Respekt für ihr Schaffen ausdrücken können, selbst seine eigenen Ängste und Sorgen kaum auszusprechen wagen, weil keine offenen Ohren da sind und wer von den „supersuccessful and happy online-Repräsentanten" hat denn schon Zeit für so was? ... usw.

 

Schon seit jeher war ich vielseitig interessiert. Nachdenken ist für mich nicht wegzudenken. Beobachten ist der Nährboden meiner Gedanken. Wissenschaft fasziniert mich, vor allem Gehirnforschung. (Soziale) Interaktion zählt zu meinen Hauptbeobachtungen.

 

Ich habe Architektur studiert, begann während meines Studiums Platten zu sammeln und wurde als DJ aktiv, habe dann mehrere Jahre auf einem Wiener Privatradiosender moderiert, als auch meine eigene Sendung gestaltet und war mit einer Ausstellung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur vier Jahre in der Welt unterwegs, als Co-Kuratorin. Außerdem - ich hätte fast Informatik studiert - war ich schon immer interessiert am Programmieren und habe vor zehn Jahren begonnen mich mit HTML zu beschäftigen, mittlerweile kam CSS, ein wenig PHP, jquery und Drupal (open source CMS) dazu.

 

Schon in der Schule wurde mir immer wieder gesagt, ich soll nicht soviel nachdenken. Später (egal ob es nun um die Selektion meiner Musik ging, oder um meine sonstigen Tätigkeiten) kamen gut gemeinte Ratschläge hinzu wie „du musst dich für eine Sache entscheiden, man kann dich nicht einschätzen“.

 

Mittlerweile weiß ich, dass Menschen (bzw. Österreicher) es mögen sich ein klares Bild machen zu können. Sie buchen einen DJ der House spielt, das erwarten sie, das bekommen sie. Jemand der - wie ich - viele verschiedene Dinge unter einen Hut bringt, ist suspekt. Ich kann das auch verstehen, zum Teil. Viele haben ihre Neugier verloren.

 

Ich bin ein Fan von Vielfalt. Sie ist es, die mich am meisten inspiriert. Das bedeutet nicht, dass ich Expertentum verachte, ganz im Gegenteil. Ich liebe Konversation zu führen mit Leuten, die richtig Ahnung haben von etwas, oder eben ein gutes House oder Bass Set zu hören! Nur ist mein persönlicher Zugang eher der, nach den verbindenden Elementen zu suchen, Gemeinsamkeiten in den Strukturen aufzuspüren. Und genau da, ist meine Vielseitigkeit und meine vielschichtigen Interessen von Vorteil. Qualität liegt in beiden Denkweisen, da wo sich unterschiedliche Mindsets zusammentun, liegt wohl am meisten Potenzial. Wir können gegenseitig voneinander profitieren.

 

Also warum tue ich was ich tue, und was tue ich eigentlich?

 

Ich war noch nie in einem festen Arbeitsverhältnis, daher geht es bei mir nicht darum „das Hamsterrad“ (Markus Cerenak's Wort für finanziell sichere, aber unzufriedenstellende Arbeitsverhältnisse) zu verlassen, sondern vielmehr darum, meine Fähigkeiten in dieser Gesellschaft so einzusetzen, dass ich davon leben kann. Das ist mir bis jetzt noch nicht wirklich gelungen.

 

Es geht mir zwar gut (ich habe ein Dach über dem Kopf, ich habe zu Essen, ... basics abgehackt), aber ich muss seitdem ich selbstständig lebe, sparen, wo es geht, und kann das Wort Urlaub kaum noch buchstabieren ...

 

Also habe ich mich nun entschieden meine Selbstständigkeit neu zu definieren. Weil ich selten „Role Models“ mit meinem skill set gesehen habe, habe ich mir lange schwer getan meinen Fähigkeiten einen Wert einzuräumen, habe mich unter meinem Wert verkauft und viel zu viel, jahrelang für kein Geld getan - heute wird ja gern mit „Reputation“ bezahlt, eine Währung die starker Inflation unterliegt. Ich bin darauf hin in die „Rumsudern-Falle“ getappt: "ich bin das Opfer, ich bin so arm, ... blablabla". Ende Gelände. Es bringt nichts. Es liegt in meinen Händen und das ist mir nun bewusst.

 

Ich muss an das, was ich tue, glauben. Meine Überzeugung ist, dass wenn ein Team Spaß bei der Arbeit hat, das Produkt diese Energie in sich trägt und erfolgreicher sein wird, als ein anderes, mit dessen Entwicklung sich die Zuständigen rumgequält haben. Ich denke, dass die Kommunikation hier eine Schlüsselrolle spielt. Arbeit hat natürlich immer mühsame Anteile, das steht außer Frage, nur lässt es sich leichter mit den Schwierigkeiten umgehen, wenn ein gemeinsames, erfreuliches Ziel da ist und der Teamgeist stimmt. Dieses Ziel kommt wohl einer Vision gleich, die in ihrem Wesen nicht auf Profit abzielt, sondern Menschen zugute kommen soll.

 

Von meinen bisherigen Vorgesetzten habe ich vor allem eins gelernt: wie es nicht geht. Aber über die Jahre habe ich auch Arbeitssituationen kennenlernen dürfen, die mich motiviert haben, die mir gezeigt haben, dass es möglich ist, respektvoll miteinander umzugehen, die Qualitäten der einzelnen zu erkennen und zu fördern und so zusammen viel zu erreichen.

 

Als mich letztens ein Förderer unseres Vereins fragte, warum ich das tue, sagte ich : „Weil ich daran glaube“.

V ARE [„we are“ - http://v-are.info] ist ein Verein zur Förderung kultureller Netzwerke. Ich habe diesen gemeinsam mit Freunden ins Leben gerufen, um verschiedene Kunstformen miteinander in Beziehung zu stellen und Netzwerke unter kreativ Schaffenden als auch Kultur Interessierten zu kreieren. Es geht für uns vor allem darum, das gegenseitige Interesse zu intensivieren.

 

Die social media Kanäle, haben in den letzten sechs Jahren, es jedem Menschen möglich gemacht, content sehr einfach ins Internet zu stellen. Ich beobachte diese Entwicklung mit regem Interesse - zumal ich auch noch ganz genau in Erinnerung habe wie unheimlich schwierig es vor etwa acht Jahren noch war, ein Video zu embedden (auf meiner damals sehr einfachen HTML page) und nicht nur, dass es ungemein kompliziert war, es technisch umzusetzen, nein, es stieß außerdem auf große Verwunderung, warum ich dachte es sei eine gute Idee, einen DJ Gig so zu promoten, keine/r hat es verstanden. Mittlerweile wundert sich niemand mehr über Videos, nicht mal über die, die wirklich nur unnötiges darstellen. Viele posten was sie essen, wann sie ins Fitness Center gehen, wo sie einkaufen und wohin sie auf Urlaub fahren. Ok. Nur manchmal kommt es mir schon so vor, als wären Ereignisse, für betroffene Personen nur real, wenn sie online dokumentiert werden. Es macht mich unruhig, wenn ich ein Treffen habe und mein Gegenüber ständig am smart phone hängt ...

 

... es macht mich traurig.

 

Manchmal denke ich, wir haben verlernt im Moment zu sein. Alles will dokumentiert werden. Das Zusammensein mit den Freunden ist erst richtig leiwand, wenn ich es share und alle Auserkorenen tagge, der schönste Sonnenuntergang muss schnell getweeted und mit dem passenden soundtrack ergänzt werden, und der beeindruckende Vollmond bleibt nur auf instagram in Erinnerung - am besten alles gleichzeitig und bis alles online ist, ist es auch schon wieder vorbei, zum Glück haben wir alles festgehalten, denn als die Sonne sich hinter den Häusern zurückzog, der Mond sich in Wolken kleidete und die Freunde gegangen sind, waren wir online. Dann sind wir alleine, und Gott sei Dank trudeln nun nach und nach die notifications ein: X liked you photo, Y favorited and retweeted your link, Z loves your post ...

 

Das Erstaunliche an diesem neuen Alltag ist für mich, abgesehen davon, dass die online Projektion des Selbst mittlerweile wichtiger scheint, als das tatsächliche Sein, die Bereitwilligkeit alles in Kanäle zu füttern, die außerhalb unserer Reichweite liegen. Wieviel Arbeit in sämtliche Plattformen unentgeltlich gesteckt wird, fasziniert mich. Aber was wäre, wenn twitter, facebook, instagram und co sich morgen einfach entscheiden die Server stillzulegen. Dein Tagebuch ist weg! Kennst du eine „download my content“ Option auf einer dieser Websites? Ich nicht.

 

Genau das ist mein Grund, meine eigene website zu hosten. Ich möchte meinen Content verwalten und abrufbar haben. Ich möchte all die Stunden Arbeit des Hochladens, jederzeit verfügbar wissen und nicht in die Hände von Drittanbietern legen. Meine Website ist (noch) kein klassischer Blog, vielmehr geht es mir im Moment darum, Informationen abzulegen, die für alle, ohne login abrufbar sind. Auch möchte ich gewisse Dinge, die mich persönlich interessieren, gut aufbereitet zusammenstellen, so fehlt mir zB. als Wikipedia Fan oft, eine schön zusammengestellte Gallerie, und mit diesem Verlangen bin ich offenbar nicht allein, die meistbesuchten Einträge meiner Website sind:

 

Francis Bacon

Frank Lloyd Wright

 

Ich habe noch viel an der Struktur meiner Website zu tun, sie ist ständig in progress, und ich habe auch keine Eile. Mein Ziel ist es mit der Online Präsenz vielmehr, verschiedensten content zusammenzuführen und diesen nach und nach übersichtlich aufzubereiten und das wird noch einiges an Arbeit und damit Zeit brauchen. Aber mein Spruch am Radio „dranbleiben lohnt sich - ist und bleibt nun mal mein Credo.

 

In diesem Sinne

J

 

 

 

 

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