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Ja, mein Gott! ein weiterer gender Artikel.

Warum ich nun nicht auf „Innen“ bestehe (das lasse ich gern „Außen“-vor), die Emanzipierung der Frau jedoch, meiner Meinung nach, noch lange nicht ihr Ziel erreicht hat, und warum es schön ist, wenn du auch kurz drüber nachdenkst, erfährst du in folgendem Beitrag.

 

Ich bewege mich hauptsächlich in männerdominierten Bereichen, liegt vielleicht auch daran, dass meinem Papi zwei Töchter geschenkt wurden und daher vielleicht meine „männlichen Interessen“ stärker ausgefallen sind: ich mag Autos, ich steh auf Technik, fand Mathe immer toll und kann exzellent einparken.

 

Zugegebenermaßen liebe ich es, wenn ich in der Stadt mein Auto perfekt in eine ziemlich kleine Lücke, zügig und gekonnt rangiere, und dabei von männlichen Augenpaaren verfolgt werde. Ein HERRliches Gefühl, mit einem Lächeln entgegenzublicken.

 

Als DJ jedoch (und eigentlich auch beim Autofahren) finde ich die Reduktion auf mein Geschlecht schon leicht bedenklich, allerdings nicht verwunderlich.

„Cool! Endlich mal eine Frau die auflegt“, der Respekt seitens der männlichen Besucher eines Events steigt ins Unermessliche „Wow, Multitasking, wie schaffst du das?“, „es wird heute noch mit Platten gespielt?“ - es sind vorwiegend Männer die mich ansprechen, warum wohl ... .?

 

Am liebsten sind mir jedoch Kinder die neugierig über den Tisch schielen, all die leuchtenden Knöpfe bewundern und sich einen Haxn ausfreuen, wenn sie einen Regler drehen dürfen. Sie wundern sich nämlich nicht, dass ich spiele. Und so soll es sein. Es soll nicht auffallen, dass eine Frau spielt, sondern Aufmerksamkeit auslösen, weil die Musik gefällt. Kinder sind noch nicht voll von gesellschaftlichen Ideen in den Köpfen, die dieses oder jenes geschlechtsspezifisch zuordnen. Danke!

Und ich danke Conchita dafür, dass sie dieses Thema grundsätzlich in Frage stellt (das haben vor ihr auch schon andere getan, aber sie hat es geschafft, in Österreich es medial im großen Stil zu tun! Hut ab!) Ich danke Madonna, die viel für das Verständnis der weiblichen Sexualität getan hat, dass die Message noch nicht angekommen ist, wird klar wenn ich auf ihrem Konzert Männer grölen höre „Ausziehn! Ausziehn!“ und auch wenn ich mich wieder mal bei meinen männlichen Freunden echauffiere über Benachteiligungen durch mein Geschlecht, steht schnell die Frage im Raum „ja, was zum Beispiel? Was genau?“ - darauf habe ich dann ad hoc meist keine Antwort, daher denke ich in letzter Zeit vermehrt darüber nach, um diese „Beispiele“ dann parat zu haben. Die Männer, mit denen mich eine Freundschaft verbindet, sind sicherlich jene, die mich nicht auf mein Frau-sein reduzieren, dennoch haben sie sich offenbar noch nicht allzu viele Gedanken gemacht, oder eben nur solche, die von der medialen Landschaft getriggert werden, wie durch das Thema Bundeshymne. Dass dabei die ganze Thematik schnell ins Lächerliche abgleitet ist aufgelegt.

 

Eigentlich ist es ein Paradox für mich einen Artikel, wie diesen zu schreiben. Warum? Weil ich der Auffassung bin, dass wir erst dann wirklich gleichberechtigt leben werden, wenn die Thematik gar nicht mehr existiert. So befürchte ich doch, dass feministische Aktionen, manchmal vielleicht gar das Gegenteil bewirken, weil sich einige angegriffen fühlen, „Wortzerlegerei“ als mühsam empfinden usw. . Dennoch sehe ich Handlungsbedarf. Es braucht einfach noch eine Menge Menschen, die sich damit auseinandersetzen und vermutlich weitere 50 Jahre bis Frauen tatsächlich gleich behandelt werden. Ja es wurde viel erreicht, ja ich kann tun was ich will und all das ist wunderbar und ich dankbar. Die Unterschiede sind nun aber noch auf einer subtileren Ebene vorhanden.

 

Mit der Sprache ist das so eine Sache. Es macht schon Sinn diese Debatte zu führen, dennoch bestehe ich nicht auf 5 Zusatzbuchstaben, die das „gender-korrekte“ Textverfassen zur Tippextase verkommen lassen ...

Ich fühle mich angesprochen wenn „der Architekt“ im Gespräch ist oder „der DJ“, das Unwort DJane ist wirklich mit Abstand einer der schlimmsten sprachlichen Ausgeburten. DiscJockey ist und bleibt English und aus. Und mit Tarzan war ich noch nie auf einem Date und Lianen sind auch nicht mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel ...

 

Wir würden auch bestimmt nicht über ein paar Buchstaben diskutieren, wenn die Emanzipation der Frauen bereits ihren full effect ausbreiten würde, denn wären alle Menschen gleichberechtigt, gebe es keinen Grund Texte unnötigerweise um 1/10tel zu verlängern (und ich bin im übrigen auch der Meinung, dass dies dem Lesefluss schädlich ist).

 

Es sind gut gemeinte Aktionen, die leider oft ins Gegenteil abdriften. Zum Beispiel: In Clubs (zumindest hier in Wien) ist es üblich, alle halben Jahre eine „ladies night“ zu machen. Sprich: es werden für eine Nacht nur weibliche DJs gebucht. Damit ist das Thema dann für 6 Monate vom Tisch. Ich find das Scheisse.

 

Die Tatsache, dass eine Nacht lang nur DJs ohne Penis am Start sind, macht das ganze schon wieder zu einer „Ausnahmesituation“. Ok, immerhin thematisiert ein Event dieser Art die kaum vorhandene Quote von Frauen im Club, aber warum in Gottes Namen, muss alles an Potenzial an einem Abend verschossen (=bewusste Wortwahl) werden? Es bringt nix. Ganz einfach. Weibliche DJs sollten 365 Tage im Jahr im regulären Programm zu finden sein, ganz normal. Nicht mit einem Stempel versehen: „Attention! Female DJs“ - who the fuck cares?

 

Solche Aktionen, werden a) die, die das Thema nervt, und sich nicht damit auseinandersetzen wollen, sowieso nicht zum Antanzen bringen b) kein bisschen in der Wahrnehmung der Besucher ändern. Außerdem, und damit komme ich zum Titel dieses Eintrags: in zehn Jahren meiner DJ Tätigkeit, ist es mir noch nie passiert, dass ein Mann, der mich interessant fand, in den Club kam, meinem Set drei Stunden lauschte und hoffte, dann mit mir ins Gespräch zu kommen. Machen Männer nicht. Männer haben ein anderes Groupie und Aufreißverhalten. Frauen hingegen, und ich spreche hier auch von mir, wir gehen in einen Club, wo der ach so sexy dude auflegt, um ihn von unserer beeindruckenden Coolness, unserem einzigartigen Tanzstil und all dem überzeugen zu können. Wir wollen ihm ja zeigen, wie sehr wir seine Musikselektion zu schätzen wissen und stehen mit Vergnügen stundenlang in High Heels auf der Tanzfläche (neben etwa 4 anderen Frauen und einem Schwulen pro DJ - die die selbe mission haben).

 

Und hierzu nun die Überlegung warum männliche DJ Kollektive so gut ziehen. 6 Gäste pro DJ, die auf die Party kommen um ihren Angebeteten zu beobachten und zu hören, macht bei einem schönen Kollektiv von 5 Jungs: 30 Gäste. Von diesen 30 wiederum sind weitere 3 Personen pro Gast angetan. Also pro Lady, die den DJ vergöttert, kommen wieder weitere 3 Männer hinzu, die sich bei ihr Chancen ausrechnen ...

Damit hat Mann schon mal eine volle Tanzfläche ... - not bad!

 

Es geht nicht darum, das zu verändern, die Leute gehen in den Club um sich anzusaufen und um jemanden aufzureißen, höchstens 5% kommen tatsächlich um Musik zu hören. Und das ist ja auch in Ordnung. Den meisten Besuchern ist es völlig egal, wer hinter dem DJ Pult steht, dennoch ist der DJ ein Hauptbestandteil der Clubkultur und daher wäre es toll, wenn Clubs bei ihren bookings darauf achten, zumindest jede Woche eine weibliche Vertreterin am Start zu haben, ohne extra Vermerk, ohne ladies night, ohne nix, ganz normal einfach.

 

Das ist für mich echte Emanzipationsarbeit. Darauf zu achten, aber es nicht extra als message zu transportieren. Je weniger darüber geredet wird, desto besser. Es muss normal werden! Dann sind wir angekommen.

 

Habe die Ehre,

j

 

Stendhal Über die Liebe

Ein Mann betrachtet eine lange Belagerung als Demütigung, ein Weib aber als Ruhm. Eine Frau ist im stande zu lieben und doch mit dem Manne, der ihr gefällt, im Verlaufe eines ganzen Jahres keine zehn oder zwölf Worte zu reden. Sie führt gleichsam im Innern ihres Herzens Buch darüber, wie oft sie ihn gesehen hat: zweimal war er zugleich mit ihr im Theater, zweimal hat er bei einem Diner neben ihr gesessen, dreimal hat er sie auf der Straße gegrüßt. Eines Abends hat er ihr beim Spiel die Hand geküßt. Seitdem duldet sie es nicht mehr, unter keinem Vorwande und sogar auf die Gefahr hin, auffällig zu erscheinen, daß er ihr die Hand küßt. Bei einem Manne würde man ein derartiges Benehmen weibische Liebe nennen.

 

 

 

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